Herzlich Willkommen!
Hier dreht sich alles um die Haltung und Pflege tropischer Tausendfüßer.
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Heißt es "Tausendfüßer" oder "Tausendfüßler"?
Das hängt von der Art und den
Haltungsbedingungen ab.
Ganz grob gesagt: Der größte tropische Tausendfüßer, Archispirostreptus
gigas kann bis zu zehn Jahre alt werden. Die meisten kleinen Arten haben
eine Lebensspanne von einigen Jahren. Je nach Art sterben die Weibchen
nach der Eiablage. Findet keine Eiablage statt leben sie dementsprechend
länger. Ein weiterer Faktor ist
die Temperatur: Bei höherer Temperatur wachsen die Tiere schneller,
sterben aber auch früher.
Wie kann ich bei Tausendfüßern Weibchen und Männchen unterscheiden?
Bei vielen Arten (um genau zu sein die der
Ordnungen Spirobolida und Julida) fehlt dem Männchen im siebten
Segment ein Beinpaar.
Weitere Unterscheidungsmerkmale finden sich unter
den
Infos zu Geschlecht bei diplopoda.de.
Okay, ich möchte auch Tausendfüßer. Was brauche ich?
Grob zusammengefasst - falls es Deine ersten Tausendfüßer sind,
folge bitte den untenstehenden Links für die Details.
Das Becken:
Als Heim brauchen Deine Tausendfüßer ein Terrarium, ein Aquarium mit
Abdeckung, eine große Faunabox oder eine umgebaute Plastikbox.
Das Substrat:
Das Substrat dient gleichzeitig als Nahrung und als Versteck - also
nicht damit sparen: Zehn Zentimeter hoch sollte es mindestens sein,
besser mehr. Idealerweise besteht es aus Waldlaub, weißfaulem Holz
und Erde. Zusätzlich ist ein Kalkzusatz in Form von Eierschale, Vogelsand
oder Sepiaschale zu empfehlen. Wichtig: Keine Kokosfaser! Die verstopft
den Verdauungstrakt; die Tiere können daran sterben.
Die Umweltbedingungen:
Die meisten Arten fühlen sich bei Zimmertemperatur (20-25°C) und
etwa 75% Luftfeuchte wohl (Achtung, artspezifische Unterschiede beachten).
Das erreicht man durch regelmäßiges Sprühen.
Weiterführende Links:
diplopoda.de: Haltung tropischer Tausendfüßer
millipeden.org: Das richtige Setup
Und vielleicht das Wichtigste: Melde Dich beim diplopoda.de-Forum an
und erfahre alles über Deine zukünftigen Mitbewohner.
Gibt's bei der Auswahl des Terrariums was, was ich beachten sollte?
Entscheide Dich für die richtige Größe.
Wenn Du genug Platz hast, ist
etwas größer immer besser. Vielleicht bescheren Deine ersten Tausendfüßer
Dir Nachwuchs, und vielleicht sind Deine ersten Tausendfüßer nicht Deine
letzten Tausendfüßer.
Achte darauf, dass Du mindestens zehn Zentimeter Substrat
einbringen kannst (im Notfall terrassenartig, ansonsten
das Terrarium
drehen, z.B. so dass die Schiebetüren auf der Oberseite sind).
Die Belüftungsflächen sollten nicht zu groß sein,
sonst wirst Du
Schwierigkeiten haben konstant eine hohe Luftfeuchte zu halten. Lösung:
Abkleben oder durch Rückwand etc. verdecken.
Welche Arten sind für Anfänger geeignet?
Und wo bekomme ich Tausendfüßer?
Am Besten, Du findest einen
vertrauenserweckenden
Halter über eine Kleinanzeige (zum Beispiel im Diplopoda.de-Forum).
Oder Du besuchst eine Terraristik-Börse, wo Du Dir Deine neuen
Mitbewohner selbst aussuchen und direkt mitnehmen kannst. (Dort werden
sowohl Wildfänge als auch Nachzuchten verkauft.)
Wenn Du auf Wildfänge angewiesen bist, zum Beispiel weil Du adulte
A. gigas möchtest, bietet sich ebenfalls der Besuch einer Börse an.
(Hier sind die Tiere günstig und mit etwas Glück kaufst Du von Züchtern
mit Ahnung).
Alternativ kannst Du die Tiere online bestellen und Dir schicken lassen
(entsprechende Temperaturen vorausgesetzt), oder sie in einer Tierhandlung
kaufen. Bei letzterer Option solltest Du darauf achten, dass die Tiere
richtig gehalten werden, sonst hast Du eventuell nicht lange Freude an
ihnen.
Link:
Übersicht über Terraristik-Börsen
Wenn Du einen Zooladen findest, der Ahnung von Tausendfüßern hat, dann
ist das natürlich super.
Wenn Du Deine ersten Tausendfüßer aber aus einem Laden bekommst, der die
Tiere mit Fantasienamen bezeichnet, auf Kokoshumus hält und falsche
Angaben zur Haltung macht, ist das keine gute Alternative.
Die in den meisten Zooläden angebotenen Tausendfüßer sind Wildfänge,
eventuell krank oder bereits recht alt, und in den meisten Fällen zu
teuer.
Für gesunde Tausendfüßer ist der Postversand bei passenden Temperaturen
und richtig eingepackt kein Problem.
Aber was ist so schlecht an Wildfängen?
Nachzuchten die im Terrarium aufgewachsen
sind, sind robuster als ihre Vorfahren aus dem Dschungel. Sie haben
sich an europäisches Waldlaub und Gurke als Futter gewöhnt.
Wenn Du deutsche Nachzuchten von einem privaten Halter bekommst, kannst
Du Dich ausserdem mit Fragen an sie/ihn wenden.
Wildfänge sind meistens empfindlicher. Wenn Du ein adultes Tier als
Wildfang bekommst, weißt Du nicht wie alt es ist und hast eventuell
nicht lange Freude daran.
Ausserdem unterstützt Du mit dem Kauf von Wildfängen die Entnahme von
Tieren aus dem natürlichem Lebensraum. Nicht zuletzt werden Wildfänge
meist viel zu teuer verkauft.
Wie viele Tausendfüßer soll ich zusammensetzen?
Bei kleineren und mittelgroßen Arten hält man für gewöhnlich eine Gruppe von fünf und mehr Exemplaren, bei A. gigas mindestens ein Pärchen. Allein oder in kleinerer Gruppe werden sich die Tausendfüßet nicht einsam fühlen, aber Gruppen sind spannender zu beobachten und die Wahrscheinlichkeit von erfolgreicher Nachzucht ist größer.
Wie groß muss mein Terrarium sein?
Faustformel nach Shura: Das Becken sollte mindestens doppelt so lang
und eineinhalb Mal so tief wie ein ausgewachsenes Tier sein.
Ein paar Beispiele: Für drei A. gigas sollte das Terrarium mindestens
60x30x30cm groß sein. In einem 30er Würfel kann man schon bis zu zehn
Exemplare einer kleineren Art (bis 10cm) unterbringen, z.B. Centrobolus
spec. "mosambik".
Nicht vergessen: Bei vielen Tausendfüßern in einem Becken entsprechend
viel Substrat zur Verfügung stellen. Bei kletternden Arten die Äste nicht
vergessen.
Ich sehe meine Tausendfüßer kaum noch. Sind sie tot?
Hoffentlich nicht! :)
Für die meisten Arten ist es normal, sich eine Zeit lang zu
vergraben. Bei meinen Tausendfüßern konnte ich ausserdem beobachten,
dass sie in den kühleren Monaten eine Art Winterruhe halten. Ich sehe
dann auch die sonst "zeigefreudigeren" Arten nur noch selten, und
wenn, dann nachts.
Kann ich meine Tausendfüßer auch mal alleine lassen?
Ja. Wenn genügend Substrat(=Futter) vorhanden ist, die Temperaturen "tausendfüßerfreundlich" sind (also Zimmertemperatur) und es im Terrarium nicht zu trocken wird, kannst Du pflegeleichte Arten gerne einmal ein paar Tage allein lassen.
Ich möchte meine Tausendfüßer mit anderen Tieren vergesellschaften. Worauf muss ich achten?
Kann ich Tausendfüßer mit meinen Schnecken vergesellschaften?
Die Vergesellschaftung mit Schnecken ist generell keine so gute Idee. Um Schneckeneier zu entfernen, musst Du das Substrat regelmäßig umgraben. Dabei würdest Du die Tausendfüßer stören - im schlimmsten Fall bei einer Häutung (Verletzungsrisiko!). Tausendfüßer und Schnecken würden sich ausserdem oft begegnen und einander stören. Wenn Du die Haltungsbedingunen vergleichst, wirst Du ausserdem feststellen, dass sie nicht identisch sind.
Kann ich Tausendfüßer mit meinen Phasmiden vergesellschaften?
Die Vergesellschaftung von Tausendfüßern mit Phasmiden ist die einzige, die ich persönlich auch mal ausprobiert habe. Du brauchst ein ausreichend großes Terrarium, bevorzugt Hochformat, um die Futteräste für die Phasmiden unterzubringen, und für 15cm Substrat für die Tausendfüßer sollte ebenfalls Platz sein. Finde eine anfänger-geeignete Tausendfüßer-Art, die nicht so gerne klettert und mit etwas Glück kommen sich die Tiere nur selten in die Quere. (Eine Vergesellschaftung mit sogenannten "Pest-Arten", die sich gerne exponentiell vermehren, ist nicht ratsam. Du wirst Schwierigkeiten haben, alle Phasmiden-Eier aus dem Substrat zu sammeln.)
Die Liste ist ziemlich lang: Laub, weißfaules Holz,
Gemüse (Gurken, rohe Kartoffeln, Tomaten) und Obst
(Apfel, Banane, aber keine Zitrusfrüchte). Als Proteinquelle dienen
zum Beispiel Fischflocken oder aufgeweichtes Katzentrockenfutter
("Brekkies").
Die Futtervorlieben unterscheiden sich je nach Art und sogar nach
Individuum. Also: Einfach mal ausprobieren.
Achtung: Bei Obst und Gemüse am Besten Bio-Produkte wählen und/oder
vorsichtshalber die Schale entfernen. Pestizide und Düngemittel gehören
nicht auf den Speiseplan von Tausendfüßern.
Weißfaules Holz ist Holz, dessen Lignin-Anteil von
bestimmten Pilzen zersetzt wurde. (Lignin können Tausendfüßer
nämlich nicht verdauen.) Man erkennt weißfaules Holz daran, dass
es leicht und hell (nicht braun oder schwarz) ist und sich gut
zerbröseln lässt.
Bild von weißfaulem Holz von diplopoda.de
Wikipedia-Artikel zu Weißfäule
Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften von Pilzen und Algen oder Baktieren. Sie sehen zum Beispiel so aus und man findet sie meistens an freistehenden Bäumen.
Ich habe meine Tausendfüßer bei der Paarung beobachtet. Wann kriegen Sie Babies?
Eine Paarung ist keine Garantie
für eine Eiablage. Die Weibchen können das Sperma des Männchens
längere Zeit aufbewahren.
mehr über die Eiablage auf diplopoda.de
Hilfe, in meinem Terrarium ist Schimmel!
Ist Dein Terrarium zu nass? Tausendfüßer mögen es etwas feucht, aber dauerbeschlagene Scheiben sind zu viel des Guten. Hat Dein Terrarium ausreichend Lüftungsflächen? Und sind sie so platziert, dass ein Luftaustausch stattfindet? Wenn das alles nicht hilft, denk doch mal darüber nach Asseln zuzusetzen. Sie sind gute Resteverwerter und Schimmel-Vorbeuger und noch dazu interessante Tiere.
Hilfe, einer meiner Tausendfüßer ist ausgebrochen!
Größere Exemplare sind meist gut wiederzufinden. Meine zwei ausgewachsenen
A. gigas habe ich eines Morgens im Badezimmer angetroffen,
wo sie seelenruhig aus einer Duschwasserpfütze tranken.
Bei kleineren Arten ist das Wiederfinden schwieriger (besonders, wenn sie
klettern können!). Man kann versuchen Gurkenstücke auszulegen, besonders
in dunklere Ecken, und ihnen dann auflauern, aber ein Erfolgsrezept gibt
es leider nicht.
In meinem Terrarium sind Asseln. Sind die schädlich?
Nein. Sie sind sogar ganz nützlich, weil sie Schimmel vermeiden helfen. Deswegen setzt man sie oft absichtlich ins Terrarium. Und die größeren Exemplare sind hübsche Tiere, aber das nur nebenbei.
Mein Archispirostreptus gigas hat Milben. Was kann ich tun?
Viele, aber nicht alle im Handel erhältlichen A. gigas haben Milben. So lange es nicht zu viele sind und sie den Füßer nicht offensichtlich stören, kannst Du sie getrost ignorieren. Wenn es zu viele werden, ist die anerkannte 'best practice' unter A. gigas-Haltern das Abspülen der Milben unter fließendem Wasser oder das Abbürsten mit einem Pinsel. Damit kann man die Anzahl der Milben reduzieren, wird sie aber nie ganz los.
Wenn er noch nicht ausgewachsen ist, hast Du eventuell Glück
und er häutet sich. Normalerweise gräbt er sich dazu in eine
Höhle ein und wird immer blasser, bis die alte Haut schließlich
platzt. Das kann Tage oder sogar Wochen dauern. Falls er dabei
gestört wurde, kann es auch sein, dass er sich
an der Oberfläche häutet.
Wenn er schon ausgewachsen und eventuell auch schon alt ist,
könntest Du weniger Glück haben: Sein Verhalten könnte bedeuten,
dass er stirbt. - In beiden Fällen
solltest Du ihn erst einmal in Ruhe lassen und abwarten: Bei der Häutung
sollte er besser nicht gestört werden und falls er stirbt, kannst Du
nichts tun.
Wie versende ich Tausendfüßer richtig?
Du brauchst
- die richtigen Temperaturen:
über 10°C (auch nachts!) und nicht über 26°C
- Heimchendose oder andere Plastikdosen mit Luftlöchern
- Substrat (evtl. mit Futter) und feuchten Küchentüchern
- Zeitungspapier als Füllmaterial
- einen Karton
Am besten versendest Du an einem Dienstag, nicht am Ende
der Woche. Die Tausendfüßer kommen in einen Plastikbehälter mit
ausreichend Luftlöchern und feuchten Küchentüchern und zusätzlich
oder alternativ etwas Substrat. Dieser Behälter kommt in den Karton, und
den Zwischenraum polsterst Du mit zerknülltem Zeitungspapier oder
Ähnlichem. Jetzt musst Du den Karton nur noch zukleben und die richtige
Adresse draufschreiben - Absender nicht vergessen und dem glücklichen
Empfänger Bescheid sagen, wenn Du die Tiere losgeschickt hast.
Ist das Wehrsekret meines Tausendfüßers gefährlich?
Nein. Es sei denn, Du willst ihn essen, wovon ich prinzipiell abraten würde :). Das Wehrsekret kann - je nach Art - Deine Haut einfärben oder leichte allergische Reaktionen hervorrufen. Wenn Du auf Nummer Sicher gehen willst, benutzt Du Latexhandschuhe wenn Du mit Arten hantierst, die gerne Wehrsekret abgeben.
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